Aufregender Rollenwechsel

01. Apr 2020

Seit Oktober 2019 ist Luca Eberle vollamtlicher Schulpräsident von Rapperswil-Jona. Der ehemalige Schulleiter hat also die Seite gewechselt und wurde dabei – kaum im politischen Amt angekommen – sofort besonders gefordert.

«Luca wird nie ausserhalb von Rapperswil-Jona arbeiten, wenn er nicht muss», sagen alle, die ihn kennen. Seine Loyalität für die Stadt als Arbeitgeber ist gross. Und er fühlt sich wohl am Zürichsee. «Ich bin hier aufgewachsen,
lebe mit meiner Familie in dieser schönen Gegend und geniesse es sehr, mit dem Velo zur Arbeit fahren zu können.» Nicht überraschend also, dass der 41-jährige Sekundarlehrer und Schulleiter vor einem Jahr die Chance gepackt und für das Amt des Schulpräsidenten kandidiert hat. «Mich interessieren die lokalen Verhältnisse und Prozesse, zudem verspürte ich Lust, die Entwicklung
der Schule noch einmal in einer anderen Funktion mitzuprägen», begründet er seinen Entscheid, in die Politik einzusteigen. Die Sorge um die Kinder, vor allem auch benachteiligter, scheint im Gespräch immer wieder auf. Die Chancengerechtigkeit ist für Luca Eberle ein zentraler Wert, für den er sich auch politisch engagieren will.

Vom Kollegen zum Chef
Im März 2019 wird er mit einem Glanzresultat im ersten Wahlgang zum Schulpräsidenten gewählt und lässt bisherige Stadträte weit hinter sich. «Offenbar hat meine authentische Art überzeugt und sicherlich auch meine Fachkompetenz», gibt er einen Tag nach der Wahl zu Protokoll. Im Oktober
2019 übernimmt er das Amt als Schulpräsident und damit neben der Bildung auch das Ressort «Gesellschaft/Alter». Er verantwortet allein im Bereich Bildung/Familie ein Drittel des jährlichen Budgets der Stadt Rapperswil-
Jona und ist Chef von über 400 Angestellten. Und wie ist der Einstieg geglückt? «Im Gegensatz zur Bildung musste ich mich im Ressort Gesellschaft/Alter erst einmal gründlich einlesen. Ich verlasse mich dabei sehr
auf meine Fachleute in der Verwaltung, höre mir ihre Meinung an und bilde mir nach und nach ein Urteil.» Anders in seinem angestammten Arbeitsbereich, der Bildung. Hier sei der Rollenwechsel in der Geschäftsleitung vom Kollegen zum Chef immer noch etwas «speziell».

Aus einem Corona-Tagebuch der Schule Rappeswil-Jona.
Aus einem Corona-Tagebuch der Schule Rappeswil-Jona.
Luca Eberle
Luca Eberle
Schulpräsident von Rapperswil-Jona und ehemaliger Schulleiter

«Ich überlege heute beispielsweise mehr als früher, in welchem Moment meine persönliche Meinung gefragt ist.» Auch die ehemaligen Schulleiterkolleginnen und -kollegen müssten sich an die neue Art der Zusammenarbeit noch gewöhnen.
Aber die Situation wird sich nach und nach weiter verändern. Es stehen in den nächsten drei Jahren infolge Pensionierungen fünf Wechsel von Schulleiterinnen und -leitern an.
Mitten in dieser Einarbeitungsphase ist er plötzlich besonders gefordert – als politisch Verantwortlicher, konfrontiert mit der Schulschliessung. Freitag, 13. März 2020: am Vormittag erhält er vom Bildungsdepartement SG eine interne Vorinformation mit der Bitte, den Nachmittag von allen Terminen freizuhalten und den internen Stab zusammenzustellen, damit er möglichst zielführend auf die vom Bildungsdepartement folgenden Informationen reagieren könne.