Die Einführung macht den Unterschied

13. Apr 2021

Lehrmitteleinführungen müssen mehr sein als eine Vermittlung des Zusammenspiels der Lehrmittelteile. Ob von der Art der Einführung sogar abhängt, was bei den Lernenden ankommt, beantwortet eine neue Studie der PHs Luzern und Heidelberg. profil hat beim Autor, Matthias Hoesli, nachgefragt.

Aufgabenkultur

Lange Zeit war die Verfügbarkeit und im Besonderen die Verbindlichkeit von Lehrmitteln im Fachbereich NMG unzureichend. Doch zunehmend entfalten Lehrmittel bei Lehrpersonen und den Lernenden grosse Wirkung, sie prägen in hohem Mass die Vorbereitung und den Unterricht. Für Matthias Hoesli, Dozent für NMG an der PH Luzern, sind Lehrmittel für Naturwissenschaften deshalb bereits mehrere Jahre ein Schwerpunkt seiner Arbeit. Eine der zentralen Einsichten damals betraf die Nutzung des Kommentars für Lehrpersonen. Die Auseinandersetzung mit dem didaktischen Konzept, das einem Lehrmittel zugrunde liegt, finde ungenügend statt, stellte er fest. Gründe dafür könnten Zeitmangel oder die Komplexität der Konzepte sein, mutmasste er damals und formulierte seinen Verdacht als Leitfrage für eine weitere Forschung um: Wie müssten Einführungsveranstaltungen konzipiert sein, damit Lehrpersonen das didaktische Konzept und die Überlegungen hinter den Aufgaben(-sets) wirklich durchdringen können? Und kann durch die entsprechende Einführung ein kompetenzorientierter naturwissenschaftlicher Unterricht gefördert werden? Kann man bezüglich Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler Rückschlüsse auf die Art der Einführung der Lehrperson ziehen?


profil: Wie sind Sie vorgegangen, um Antworten auf Ihre Frage zu finden?

Matthias Hoesli: Das Erscheinen des Lehrmittels NaTech, das ich bereits während der Entwicklung kritisch begleiten konnte, gab mir die Möglichkeit, zwei unterschiedlich geartete Einführungsveranstaltungen zu konzipieren, durchzuführen und deren Wirkung zu untersuchen. Die erste Gruppe bekam eine 3-stündige Einführung in das Lehrmittel und setzte ein Aufgabenset im Unterricht um. Die Einführung der zweiten Gruppe dauerte 12 Stunden und setzte zusätzlich zur Lehrmitteleinführung Schwerpunkte im Bereich der Aufgabenkultur. In dieser Gruppe wurden Erfahrungen mit dem LUKAS-Modell (Luzerner Modell zur Entwicklung kompetenzfördernder Aufgaben­sets) als didaktischer Grundlage des NaTech im eigenen Unterricht gesammelt und ausgewertet. Die Gruppe zwei setze im Anschluss dasselbe Aufgabenset wie die Gruppe eins im Unterricht um. Zu Beginn und am Schluss wurden in beiden Gruppen bei 670 Schülerinnen und Schülern und 40 Lehrpersonen bestimmte Daten erhoben.


Welche Erwartungen hatten Sie, bevor Sie die Daten auswerten konnten?

Aufgrund der aktuellen Forschung und unseren Erfahrungen über die Wirksamkeit von Weiterbildungsformaten sind kurze, einmalige Lehrmitteleinführungen hinsichtlich der Veränderungen unterrichtlichen Handelns und Lernens von Schülerinnen und Schülern nur bedingt ge­eignet. Demgegenüber können sequenzierte Weiterbildungsgefässe durchaus Wirkung zeigen. Also erhoffte ich mir Antworten auf die Frage, wie die bestehenden, sequenzierten Weiterbildungsgefässe (an der PHLU z. B. 3-mal 1 Halbtag) adaptiert werden müssten, um bis auf die Ebene der Lernenden wirkungsvoll zu werden.