Handlungskompetenzen statt Schulfächer

07. Mär 2022

Was für die Volksschule der Lehrplan 21, ist für Berufsschulen die KV-Reform: ein Reformprojekt, das polarisiert, in der Politik ebenso wie unter Lehrpersonen selbst. «profil» hat Oliver Kemmler, Lehrperson Wirtschaft und Recht, zum Stand der Vorbereitung und Umsetzung an seiner Schule befragt.

Vor einem Jahr besuchte Oliver Kemmler, Leh­rer an der Berufsfachschule Uster (BFSU), eine Informationsveranstaltung zum Lehrplan 21 in Uster. «Die Veranstaltung war freiwillig, aber als Lehrer und Vater schulpflichtiger Kin­der interessierte mich die Diskussion um den Lehrplan», sagt Oliver Kemmler. «Das Gehörte war mir bekannt, die Kompetenzorientierung ist seit langer Zeit ein Thema in unserer Schule.» Doch die seit 2004 im Berufsbildungs­gesetz geforderte Kompetenzorientierung er­hält erst jetzt Konturen. «Seit ein paar Monaten sind wir in Teams verschiedener Fachlehrper­sonen an der Ausarbeitung interdisziplinärer Unterrichtseinheiten, sogenannter HIP-Mo­dule» (vgl. S. 23), erläutert der Wirtschaftsleh­rer mit etwas Stolz. Zwar sei die Auflösung der traditionellen Fächer bei den Fachlehrperso­nen zuerst mit Skepsis aufgenommen worden. «Einige haben befürchtet, ihre Identität als Fachlehrperson zu verlieren.» Die sorgfältige, frühzeitige und konkrete Planung der Umset­zung der KV-Reform an der Berufsfachschule Uster habe den Lehrpersonen Zeit gegeben, sich schrittweise an die neue Art von Unter­richt zu gewöhnen. «Die Beschreibung konkre­ter Situationen in Betrieben als Ausgangspunkt von Lernprozessen ist mir aufgrund meiner Erfahrung in der Wirtschaft leichtgefallen. Aber die Zusammenarbeit mit – aktuell – Sprach­lehrpersonen an gemeinsamen HIP-Modulen erweitert meinen Horizont und fördert das Verständnis über die Fachschaften hinaus», betont Oliver Kemmler. Diese bleiben an der BFSU Uster weiterhin bestehen. Auch dieser Entscheid der Schulleitung habe den Fachlehr­personen Sicherheit vermittelt.

Nicht nur die Lerninhalte werden neu defi­niert, vielmehr ist damit auch eine tiefgrei­fende Unterrichtsentwicklung angelegt, in der vom traditionell häufig frontal geführten

Maki

Fachunterricht – ähnlich wie in der Volksschule – die Methodenvielfalt und die Eigeninitiative der Lernenden erhöht werden. «Die HIP-Mo­dule beinhalten immer auch eine individuelle Lernphase, in der ich als Lehrperson zuneh­mend die Rolle des Lerncoachs einnehmen werde. Hier eröffnet sich ein weiteres Feld für interne Weiterbildungsanlässe, die der Umset­zung der Reform dienen sollen», erklärt Oliver Kemmler.

Wenn Oliver Kemmler die KV-Reform erläutert und über deren Umsetzung an der BFSU Uster spricht, hört man heraus, dass die Schulleitung und das für die Umsetzung der KV-Reform zu­ständige Schulleitungsmitglied in seinen Au­gen sehr vieles richtig gemacht haben. «Ich bin froh, sind wir bereits an der Planung des kon­kreten Unterrichts, das Konzept der HIP-Mo­dule gibt uns dabei Sicherheit und Struktur. Ich freue mich auf den Start», sagt er, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass bis Sommer 2023 noch genügend Vorbereitungsarbeit auf die Lehrpersonen warte.