Ich bin als Lehrperson manchmal der grösste Bremsklotz

11. Aug 2021

Wenn die Ideen und Interessen der Schülerinnen und Schüler Raum erhalten, nehmen Vorhaben ungeplante Wege. Wohin diese Reise die Lehrperson und die Klasse führen kann, zeigt das Projekt einer achten Klasse der Schule Schötz zu den Nachhaltigkeitszielen.

«Ich finde es sehr toll, dass wir an so einem wichtigen Thema arbeiten durften», schrieb eine Schülerin in die abschliessende Reflexion des Projektes. Die Klassenlehrerin Nadja Keller setzte die Nachhaltigkeitsziele SDG (Sustainable Development Goals) ins Zentrum einer Unterrichtseinheit, weil sie bei ihren Schülerinnen und Schülern grosses Interesse an Themen zur nachhaltigen Entwicklung gespürt hatte. Die 17 Ziele, im deutschsprachigen Raum auch als Agenda 2030 bezeichnet, wurden 2016 von den Vereinten Nationen zur Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung für den Zeitraum bis 2030 beschlossen. Inspiration zur Umsetzung im Unterricht erhielt Nadja Keller in einem Workshop von Creative Kids, in dem sie Methoden zur kreativen Problemlösung kennenlernte. Zusätzlich griff sie auf Unterrichtsmaterialien zurück, welche sie im Internet fand.


Das Ziel als Ausgangspunkt

Zunächst versuchten die Schülerinnen und Schüler, die Inhalte der Nachhaltigkeitsziele zu verstehen. Wie sich bald herausstellte, war dies eine grosse Herausforderung, da beim Verständnis einzelner Wörter oder Formulierungen sowie dem Erkennen von Zusammenhängen und Hintergründen die Klasse wie auch die Lehrerin an ihre Grenzen stiessen. Auch der Zeithorizont der Nachhaltigkeitsziele bis 2030 war für die Schülerinnen und Schüler schwer fassbar. Das Projekt geriet zwischenzeitlich ins Stocken und brauchte etwas Durchhaltewillen, wie eine Schülerin in ihrer Reflexion festhielt: «Der Anfang war schwer, da wir vieles nicht verstanden.»

Der nächste Schritt im Projekt war die Suche nach konkreten Ideen, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dazu gehörte auch die Frage, wer welchen Beitrag dazu leisten könnte, stets mit dem Fokus auf die Menschen in der Schweiz. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten gruppenweise an einzelnen Zielen, wechselten jedoch regelmässig die Gruppen, bis sie zu allen Zielen Umsetzungsideen entwickelt hatten. Diese kamen ausschliesslich von den Schülerinnen und Schülern und wurden von der Klasse diskutiert und präzisiert. Nadja Keller wirkte als Beraterin und versuchte, die Ideen weder zu bewerten noch zu kommentieren.


Das Zusammenspiel von Weg und Ziel

Der weitere Verlauf des Projektes wurde vorwiegend von den Schülerinnen und Schülern bestimmt. So schlugen sie vor, im Bildnerischen Gestalten Kunstwerke zu den einzelnen Zielen zu schaffen. Als weiteren Beitrag zur Nachhaltigkeit nutzten sie dazu ausschliesslich Material, das zum Entsorgen bereitstand. Plötzlich sah sich die Klasse mit der Anfrage konfrontiert, die Kunstwerke im Garten des Kulturhofs «Hinter Musegg» in Luzern auszustellen. Die Klasse liess sich sofort von dieser Idee begeistern und überlegte sich bei einem Besuch vor Ort die Gestaltung der Ausstellung: Mittels QR-Codes sollten die Besucherinnen und Besucher zusätzliche Erklärungen und Hintergrundinformationen zu den Kunstwerken erhalten. Der Lehrer für Medien und Informatik liess sich, ohne zu zögern, auf das Projekt ein, erstellte mit den Schülerinnen und Schülern die QR-Codes und beriet sie bei der Programmwahl für ihre digitalen Produktionen. Die Klasse arbeitete nun selbstständig an ihren Aufgaben, holten in den Gruppen Rückmeldungen ein und überarbeiteten ihre Materialien. Es entstand ein viel grösseres Projekt, als sich Nadja Keller zu Beginn der Arbeit zu träumen gewagt hätte.