Die schwarze Piste schaffen wir!

07. Mär 2022

Hinter dem Film «Vision Sophie» steht ein Konzept eines agilen Schulentwicklungsprojekts für zwei Urner Schulen, entwickelt von einem Team und getragen von der Schulbehörde. In diesem Schuljahr beginnt die Umsetzung. «profil» hat sich kurz vor dem Start mit dem Schulleiter von Attinghausen unterhalten.

«profil»: Die 12-jährige Sophie gibt im Film Einblick in ihren Schulalltag. Der Untertitel klärt auf, dass es sich dabei um die Vision der Schulen Attinghausen und Seedorf handelt. Wie kam es zu dieser Vision?

Thomas Walker: Die Schülerinnen und Schüler der Gemeinden Seedorf und Attinghausen besuchen die Primarschulen in ihren Gemeinden. Die Oberstufe wird gemeinsam mit Isenthal als Kreisschule in Seedorf geführt. Für die Einführung des Lehrplans 21 bildeten die vier Schulen im Jahr 2016 eine pädagogische Einheit. Dabei wurden zahlreiche schulinterne Weiterbildungen organisiert, beispielsweise zum eigenen Lern- und Unterrichtsverständnis, zur Bildung für nachhaltige Entwicklung und zu einer neuen Beurteilungskultur. Im Schuljahr 2020/2021 besuchten wir zwei Schulleiter zusammen mit den beiden Mitverantwortlichen für das Qualitätsmanagement an der PH Luzern den CAS «Unterrichts- und Schulentwicklung». Der Film ist Teil unserer gemeinsamen Diplomarbeit mit dem Titel «LEHR(N)EN».

Welche Ziele steckten Sie sich?

Wir hatten uns vorgenommen, auf der Basis der aktuellen Forschungslage Entwicklungsschritte zu skizzieren, die auf uns zukommen könnten. Dabei sollte immer eine systemische Sicht eingenommen werden, denn uns ist bewusst, dass Schulentwicklung nicht darin besteht, hier oder dort etwas zu schrauben. Gleichzeitig wollten wir aufzeigen, wie mit einer agilen Planung die Entwicklungsschritte gelingen können. Dabei verfolgen wir immer den Grundsatz, dass es darum geht, den Lernerfolg aller Beteiligten im System Schule zu erhöhen.


Wie ist der Schritt von der wissenschaftlichen Diplomarbeit zu Sophies konkreter Präsentation ihres Schulalltags gelungen?

Es war uns früh klar, dass wir eine verständliche, fassbare Version unserer Diskussionen und Konzeptideen brauchten, um die Beteiligten zu erreichen und ihnen zu zeigen, wohin uns der Weg führen sollte. Im Sommer 2021 wurde es dann doch plötzlich hektisch. Das Projekt sollte 2022 starten, der Film war noch nicht geboren. So definierten wir gemeinsam, welche Entwicklungen im Film dargestellt, welche Szenen und Rollen sichtbar sein mussten. Der Kollege aus der Sekundarstufe schrieb auf dieser Basis das Drehbuch, das wir diskutieren und bereinigen konnten. Zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe Seedorf drehten wir den Film, für den Schnitt holten wir uns professionelle Hilfe.

Obwohl der Film die Vision darstellt, ist er Ausgangspunkt Ihres Entwicklungsprojektes. Wie war die Reaktion der Behördenmitglieder auf den Film? Ist Sophies Schule diejenige, die sie sich vorstellen könnten?

Das Echo der Behörden war durchwegs positiv. Die kantonale Digitalisierungsstrategie und die Erfahrungen des Lockdowns haben die Bereitschaft gestärkt, sich gemeinsam mit der Zukunft der Schule zu beschäftigen. In der Diskussion nach der Filmvisionierung spürten wir, dass die Richtung für die Behörden grundsätzlich stimmt. Ihre Hauptfrage war: Woran erkennen wir, dass wir das Ziel erreichen, dass die Vision umgesetzt ist? Dies beschäftigt auch uns, denn wir können nicht harte, überprüfbare Beurteilungskriterien für den Erfolg des Entwicklungsprojekts liefern. Wir können aber laufend Veränderungen aufzeigen. Die regelmässige Information und Berichterstattung aller Beteiligter wird ein wichtiger Teil der Umsetzung sein. Des Weiteren ist es den Schulbehörden wichtig, dass der gesetzlich geltende Bildungsauftrag bei der Umsetzung der gemeinsamen Vision eingehalten wird.

Mit Ihren Schulteams sind Sie daran, in ein Entwicklungsprojekt mit einem Zeithorizont von 8 bis 10 Jahren einzusteigen. Wie gehen Sie das an?

Unser Viererteam erlebte im CAS einen Aha- Effekt. Uns wurde bewusst, wie viel Wissen und Erfahrungen wir Lehrpersonen eigentlich im Rucksack haben. Die Beschäftigung mit den Forschungsergebnissen liess vieles davon wieder sichtbar und fassbar werden. Wir möchten mit unseren Teams den Weg durch die Forschung nachzeichnen, gemeinsam gehen und dabei zusammen die wesentlichen Veränderungsmöglichkeiten bestimmen. Bei der Visionierung des Films gaben wir dem Team ein Tischmemo ab, das wesentliche Erkenntnisse der Unterrichts-, Lern- und Hirnforschung zusammenfasst.


Das klingt nach schwarzer Piste.

Ja, wir wählen bewusst diesen Weg. Unsere Lehrpersonen verfügen über fundiertes didaktisches und methodisches Wissen. Darauf können wir aufbauen. In Weiterbilungsveranstaltungen arbeiten wir in den Teams nun schon länger gleichzeitig auf der theoretischen und praktischen Ebene. Dies bringt uns alle weiter, wir spüren, dass wir einen zukunftsorientierten Unterricht anstreben und wir gemeinsam als Schule weiterkommen wollen. Dies gibt uns die Sicherheit, dass wir die schwarze Piste mit diesen Teams schaffen.