Mit Freude, Humor und Herzblut zum neuen «Tiptopf»

07. Jul 2022

Nach 15 Jahren wird der beliebte «Tiptopf» den heutigen Bedürfnissen angepasst. Nebst vielen anderen Neuerungen erhält nun jedes Rezept ein Bild. Ein Besuch im Atelier zeigt: Dahinter steckt eine Menge Arbeit – und viel Leidenschaft. Von Agathe Schudel (Text) und Luca Ehbets (Bilder).

Im Atelier riecht es nach Frischgebackenem. Nora Schmid ist heute nur ausnahmsweise im Atelier, weil sie ihre Kollegin Annic Berset vertritt. Beide sind inhaltliche Co-Projektleiterinnen des «Tiptopf». Nora Schmid steht in der grosszügigen, offenen Küche und hat beide Hände voller Hefeteig. Händeschütteln geht gerade nicht. Sie lacht. In dem einzigen grossen Raum sind verschiedene Bereiche auszumachen. Rechterhand eine Ecke mit einem langen Tisch, der, je nach Bedarf, als Ess-, Arbeits- und Sitzungs­tisch dient. Gerade wird er von Ursula Furrer in Beschlag genommen. Sie ist eine der Rezeptautorinnen des neuen «Tiptopf» und gibt, vertieft in ihre Unterlagen, manchen Rezepten den allerletzten Schliff. «Normalerweise schreibe ich als Erstes das Rezept auf, dann koche ich es mindestens einmal zuhause. Meine Familie freut sich natürlich vor allem, wenn ich die Desserts ausprobiere», sagt Ursula Furrer und lacht.


Die Liebe zum Detail

An der Fensterfront gegenüber befindet sich das umfangreiche Equipment für die Fotografie. Besonders eindrücklich: das riesige Säulenstativ mit Seitenarm und Kamera für Bilder, die von oben aufgenommen werden müssen. Zahlreiche Kabel führen oben- und untendurch zu Laptops und Desktopcomputern sowie zur Beleuchtung und Kamera. Dahinter diskutiert Foodfotograf Fabian Häfeli mit seinem Assistenten Luca Ehbets.

In der Mitte des Raums ist schliesslich der Ort, wo alles stimmen muss: Farben, Formen, Arrangement, Mattigkeit, Glanz, Temperatur, Beleuchtung und Timing. Wer das alles überaus souverän im Griff hat, ist Feride Dogum, Food­stylistin und Inhaberin dieses Ateliers im sanktgallischen Rapperswil. Halb verdeckt von einem grossen Brett, das sie in Händen hält und als Untergrund fürs nächste Bild dienen soll, tritt sie aus den Tiefen des Requisitenlagers zum Vorschein. Über die Jahre hat sich Feride Dogum einen reichen Fundus an schönen Gegenständen zugelegt: Stoffe, Schneidebretter, Unterlagen, Töpfe, Teller, Tassen, Gläser, Schalen und Schälchen in allen Formen, Farben und Materialien, Platten, Kerzenständer, Körbe, Gitter, Besteck, Tischchen und Stühle – der Gang durch die Requisiten will kein Ende nehmen. Wo sie das alles her hat? «Aus vielen verschiedenen Ländern», sagt Feride Dogum. «In meinen Anfängen habe ich jeweils im Urlaub den Koffer vollgestopft. Unterdessen schicke ich die Ware mit der Paketpost heim», sagt sie und lacht. Eine Vorauswahl des Geschirrs, das für den «Tiptopf» verwendet werden soll, steht ausgebreitet wie eine Landschaft auf einem riesigen Tisch bereit.