Die 4K-Skills – ein kunstvoll geflochtener Zopf

07. Mär 2022

Die 4Ks gelten als elementar für das Lernen im 21. Jahrhundert. Was sich dahinter verbirgt und wie die vier Kompetenzbereiche in der Praxis umgesetzt werden können – ein Plädoyer. Von Jöran Muuß-Merholz.

Die 4Ks sind überall

Vier Begriffe, die im Deutschen mit dem Buch­staben K beginnen – das sind die 4Ks: Kreativität, Kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration. Keiner dieser vier Kompetenzbereiche ist wirklich neu, und doch haben die vier Bereiche als Bündel in den letzten 20 Jahren weltweit an Aufmerksamkeit gewonnen. Das Konzept entstand in den USA ab 2002. Eine Initiative mit dem Namen «Partnership for 21st Century Skills (P21)» brachte Akteure aus verschiedenen Bereichen zusammen, die für das neue Jahrhundert einen konzeptionellen Rahmen für Bildungsziele und Lerninhalte entwarfen. Das Ergebnis nannten sie «Framework for 21st Century Learning». In diesem Konzept waren auch die vier Ks verortet (für die englischen Begriffe waren es «four Cs») – und zwar nur als ein Teil eines grösseren Kontextes, der mehrere Bausteine neben den 4Ks berücksichtigte.

Obwohl im Rahmen der P21-Initiative die 4Ks in Theorie und Praxis weiter ausgearbeitet wurden, schafften beim Transfer in die deutsch­­sprachige Debatte kaum mehr als die vier Schlag­worte den Sprung über den Atlantik. Das Konzept wurde auf zwei Ebenen stark verwässert übernommen: Zum einen gab es wenig Ausdifferenzierung der einzelnen Ks: Was bedeuten Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation und Kollaboration konkret, und wie können sie in der Schule gefördert werden? Zum anderen wurde die Einbettung in einen grösseren Rahmen vernachlässigt. Das ging sogar so weit, dass in manchen Debatten die 4Ks als mehr oder weniger führende oder sogar alleinige Bildungsziele aufgestellt wurden.

In Debatten um die 4Ks wird häufig ein fünftes oder sechstes K gefordert, beispielsweise von Lisa Rosa oder Michael Fullan und Geoff Scott. Dabei wird mehr oder weniger stillschweigend ignoriert, dass die 4Ks nicht alleine stehen können, sondern in einen grösseren Rahmen von Lerninhalten und Bildungszielen eingebunden sein müssen. Ich nutze in meiner Arbeit dafür das 2017 auf Deutsch erschienene Rahmenkonzept «Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert lernen müssen». Die folgende Abbildung zeigt die von Fadel, Bialik und Trilling ausdifferenzierten Ergebnisse, komprimiert auf eine Übersicht. Darin erkennt man die vier Dimensionen: Wissen, Skills, Charakter und Meta-Lernen. Dazu gehören jeweils Unterkategorien bzw. einzelne Kompetenzbereiche. Die Dimension namens Skills behielt auch in der deutschsprachigen Übersetzung diesen Namen, weil hier ein spezifisches Verständnis gemeint ist – nämlich die 4Ks.


Die 4Ks im Verhältnis zu anderen Lernzielen

Ich habe das Buch von Fadel, Bialik und Trilling übersetzt und das Modell der vier Dimensionen immer wieder auf meine Arbeit angewandt. Eine Erkenntnis, die sich dabei immer noch ver­tieft, lautet: Es ist entscheidend, wie wir die Ver­bindungen der vier Dimensionen untereinander betrachten und behandeln. Auch wenn in der Ab­bildung oben die Kästchen voneinander getrennt und sauber sortiert nebeneinander­stehen, so sind sie in der Realität nicht in einzelne Kästchen zu unterteilen. Genau das wird allerdings immer wieder versucht, wenn nach einem neuen Schulfach für den einen oder anderen Bereich gerufen oder wenn behauptet wird, dass Lernziele in der Dimension Wissen an Be­deutung verlören und zugunsten anderer Dimen­sionen zurückstehen müssten. Der didaktische Königsweg besteht darin, die vier Dimensionen der Bildungsziele und Lerninhalte so miteinander zu verflechten, dass ihre einzelnen Komponenten nicht als zusätzliche «Lernlast» wahrge­nommen werden, sondern sich als geflochtener Zopf von Lernzielen gegenseitig stärken.


Jöran Muuß-Merholz

ist Diplom-Pädagoge und Teil der Agentur «J & K – Jöran und Konsorten». Als Think-and-Do-Tank arbeitet das Team an den Schnittmengen zwischen Bildung & Lernen und Medien & Kommunikation. Neben beratenden und konzeptio­nellen Arbeiten der Agentur schreibt Jöran Muuß-Merholz für Fach- und Massen­medien, von Blog bis Buch, hält Vorträge und leitet Workshops.