Ich kann! Ein Gespräch über Schule und Zukunft

07. Mär 2022

Wie erleben Lernende die Schule im Zeitalter des Lehrplans 21? Was erwarten sie von der Zukunft? Was wünschen sie sich von der Schule? Schülerinnen der 5. und 6. Klasse aus dem Solothurnischen Bolken geben Auskunft. Von Regina Strub.

«Was werdet ihr alles können und wissen müssen, wenn ihr aus der Schule kommt?» Mit dieser Frage beginne ich die Unterhaltung über den Wert der Schule für die Zukunft. Cecilya erzählt, sie habe schon Youtuber über die Schule schimpfen hören, da werde ja nichts wirklich Wichtiges gelehrt. Sie stimmt dem nicht zu: «Wir lernen doch viel Wichtiges. Zum Beispiel den Umgang mit Geld. Das müssen wir können, damit wir später keine Schulden machen.» Cecilyas Schwester Shanaya fügt hinzu: «Erwachsene müssen auch waschen, putzen und kochen können.» Esme ergänzt: «Man muss einfach selbstständig leben können, also keine fremde Hilfe brauchen und eigenes Geld verdienen. Erst dann ist man richtig erwachsen!» Zudem, da sind sie alle einig, dürfe man nie den Glauben an sich verlieren, und man müsse anständig zu sich und den anderen sein. «So kann man ein glückliches und friedliches Leben führen», sagt Lena.

Was ist wichtig für die Zukunft?
«Welche Unterrichtssequenzen sind für eure Zukunft wichtig?» Neben den Schulfächern Deutsch – «Lesen und Schreiben müssen einfach alle können» –, Englisch – «Das verstehen sehr viele Menschen auf der Welt» – und Mathematik finden die vier Schülerinnen körperliche Bewegung – «Gesundheit ist das Wichtigste» – und Gestalten und Musik – «etwas fürs Gemüt und die gute Laune» – sehr wichtig.

Auch der Wochenrückblick sei zukunftsorientiert, loben die vier Schülerinnen. Ihnen sind zwei Rubriken besonders wichtig. In diesen fordere ich die Schülerinnen und Schüler auf, ihren Glücksmoment zu beschreiben und zu notieren, was ihnen gut gelungen ist. Durch dieses bewusste Festhalten von Erfolgen und glücklichen Momenten, seien diese schulischer oder ausserschulischer Natur, sollen die Lernendenden den Fokus auf das Gelingen legen. Dass sie stolz auf sich und ihre Leistungen und Taten sein dürfen und sogar sollen, fällt nicht allen leicht. «Ich wollte ja nicht bluffen», sagt Lena. «Ich denke», meint Shanaya dazu, «dass es uns hilft, wenn wir möglichst genau wissen, was wir gut können und warum wir das gut können.» «Darum ist es wichtig, dass wir darüber nachdenken und es aufschreiben. So bleibt es besser in Erinnerung!», ergänzen Esme und Cecilya.

Die vier Schülerinnen schreiben ihre «Ich kann …» je auf ein Plakat und präsentieren ihre Ergebnisse stolz der Kamera.

Wie sieht eine perfekte Schule aus?
Auf die Frage, wie eine perfekte Schule aussehen müsste, die jedes einzelne Kind richtig fordert und fördert, sprudeln die Antworten nur so heraus. «Wichtig wäre», meint Cecilya, «dass die Unterrichtsgruppen nach Sympathie und ähnlichen Lerngewohnheiten eingeteilt würden und nicht einfach nach den Geburtsdaten.» Sie könne nämlich immer dann richtig gut arbeiten, wenn sie von Freundinnen und Kollegen umgeben sei und es in ihrem Tempo vorwärtsgehe. Ihre Schwester Shanaya stimmt ihr zu und ergänzt, es wäre sinnvoll, wenn jede Schülerin und jeder Schüler die Schulfächer nach individueller Begabung, Begeisterung und Lust besuchen könnte. «So würde unsere Motivation voll ausgenutzt, und deshalb würde gar niemand mehr blödeln oder faulenzen!» Zudem wären weitere Schulfächer sinnvoll, wirft Lena ein, denn: «Vieles, das ich gerne mache und gut kann, spielt in der Schule kaum eine Rolle!». Die vier Schülerinnen zählen auf: Klettern, Tanzen, Reiten, Boxen, Judo und möglichst viele andere Sportarten, Kunst und verschiedene Instrumente, weitere Fremdsprachen und die Gebärdensprache möchten sie unbedingt erlernen. Jedes Kind sollte mitbestimmen können, von welchen Lehrpersonen es unterrichtet werde, meint Esme. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass dies eine wichtige Rolle spiele: «Wenn die Lehrerin oder der Lehrer vorbehaltlos an mich und meine Stärken glaubt und ich dies spüre, dann bin ich ganz selbstbewusst und arbeite einfach richtig gut!»

Was zeichnet die ideale Lehrperson aus?
Die vier Schülerinnen beschreiben die ideale Lehrperson als humorvoll und schlagfertig, streng und fordernd, aber auch als geduldig und lieb. Sie müsse einfach Spass am Unterrichten haben, dies sei ansteckend und motivierend.

Die vier jungen Frauen fühlen sich jetzt schon der Zukunft gewachsen und freuen sich auf weitere Schuljahre: «Eigentlich ist die Schule schon noch cool. Nicht immer, aber meistens!»